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Die KulturScouts wieder

auf Tour

Lemgo, 14. April 2011: Die Schülerinnen und Schüler der Bertolt-Brecht-Gesamtschule wählten für ihre zweite Tour in diesem Schuljahr das Museumsangebot „Schloss Brake“ wegen des außergewöhnlichen Workshops: “Aus NICHTS wird GOLD”! Insgesamt ging es bei unserem Museumsbesuch um die Entwicklung von der Alchemie zur Chemie. Unsere Klasse wurde in zwei Gruppen eingeteilt. Meine Gruppe konnte zuerst das Experiment machen.

Aus “Nichts” Gold herstellen?

Die Reise ging in einem Labor los. Zuerst mussten wir alle weiße Laborkittel anziehen. Ziemlich unspektakulär begann der Workshop: Ein ganz normales Labor, statt der Alchemistenküche, die wir erhofft hatten: Gasleitungen an der Wand, Mikrowellen, Fläschchen sowie Unterlagen auf allen Tischen. Eigentlich konnten wir es doch kaum erwarten, mit Gold in der Tasche nach Hause zurückzukehren! Unsere Museumsführerin erklärte uns das nun folgende Experiment. In ein gewölbtes Glasschälchen legten wir Kupfermünzen. Aus denen soll Gold werden? Na, mal abwarten!

Nun das Versuchsprotokoll:

Materialien für das Experiment: Salzsäure, destilliertes Wasser, Kalilauge, Zinkpulver, einen Spatel, eine Pinzette, Kupfermünzen, Plastikeimer, Glasbehälter mit Maßeinheit für Flüssigkeiten, Küchenpapier, Bunsenbrenner und Mikrowelle. Ohne Schutzbrille und Laborkittel kein Experiment!

Durchführung:

Zuerst erfolgt die Entfettung der Münze, also möglichst die Münze nicht mit bloßen Händen berühren, da die Finger die Münze verschmieren, deshalb die Pinzette und den Spatel benutzen.
Zuerst geben wir so viel Waschbenzin in einen Glasbehälter, bis der Boden damit  bedeckt ist. Dann kommt die Münze in den Behälter. Da sie zwei Seiten hat, muss sie nach einiger Zeit umgedreht werden. Anschließend wird die Münze mit der Pinzette aus der Flüssigkeit genommen und getrocknet.
Genauso wird sie dann im 2. Schritt in einer Lösung aus Salzsäure und destilliertem Wasser behandelt. Nun wird in einen weiteren Glasbehälter Kalilauge gefüllt, so dass die Münze gerade bedeckt ist..
Dann wird mit der Spatel Zinkpulver in die Kalilauge gegeben und beides vermischt. Anschließend wird der Glasbehälter, der mit einem gewölbten Glasschälchen abgedeckt wird, in einen etwas größeren Plastikeimer gestellt. Ab damit für zwei Minuten in die Mikrowelle! Ekelerregende Dämpfe steigen beim Öffnen der Mikrowelle in die Nase!
Anschließend wird mit der Pinzette die Münze in der heißen Lauge gedreht. Dann kommt wieder alles zwei Minuten in die Mikrowelle. Wozu die Pinzette? Na, ganz simpel, um die Münze rauszuholen, zu drehen und sich dabei nicht zu verbrennen oder zu verätzen.
Nach dem zweiten Erhitzen wird die Münze mithilfe der Pinzette in ein Glasgefäß mit destilliertem Wasser gelegt und gesäubert und… wir haben SILBER geschaffen!
Der letzte Schritt des Experiments besteht darin, die silberfarbene Münze mit der Pinzette über einer Flamme des Bunsenbrenners zu erhitzen und zu drehen.

Das Ergebnis: Eine GOLDENE MÜNZE!

„Und wie heißt das Ganze, was wir hier gemacht haben?”, ertönte es aus der Schüler-gruppe. „Diesen Vorgang nennt man Legierung”, erklärte uns die Museumsführerin. „Wir haben die Kupfermünze verzinkt und durch das kurze starke Erhitzen bildet sichdaraus mit dem Kupfer an der Oberfläche eine Messingschicht.”  „Wieso heißt Messing denn “Trompetengold”?”, fragte unsere Lehrerin. Die Erklärung kam prompt: „Trompeten aus echtem Gold wären viel zu teuer und zu schwer! Alle Trompeten sind aus Messing hergestellt.”

Von der Alchemie zur Chemie – Die Museumsführung

Der Wohnraum Im Schloss war die erste Etage. Dort gab es sehr viele Türen und Treppen. Der Turm wurde geheizt und war wohl der sicherste Ort im Schloss.

Station Nr.1: Das Alchemistenlabor

Meist arbeiteten Alchemisten für Grafen, Fürsten, Könige und Schlossherrn. Sie behaupteten, Gold und den Stein der Weisen herstellen zu können. Das ist der Grund, weshalb jeder Schlossherr gern einen Alchemisten beschäftigte. Ihre eigentliche Aufgabe war es, Gold zu machen, aber zusätzlich stellten sie aus Tierknochen und -innereien sowie Kräutern Medikamente und Salben her.
Meist sprachen Alchemisten Zaubersprüche mit verschlüsselten Botschaften und glaubten so, zu Gold und Geld zu kommen „Die Alchemisten experimentierten sogar mit Urin und Blut. Sie fanden durch das Sammeln und Trocknen von Urin die Kristalle des Urins im Dunkeln”, erklärte uns die Museumsführerin, „So wurde das Phosphor entdeckt!”
Nun zeigte uns die Museumsführerin verschiedene Plakate. Auf einem war die Reise-route der Alchemisten durch Europa eingezeichnet, denn wenn sie ihr Versprechen, Gold herzustellen, nicht erfüllten, drohte ihnen der Tod und deshalb flohen die Alchemisten durch ganz Europa.
Dann zeigte sie uns ein Bild mit einer handgemalten Pflanze: „Wisst ihr, wie diese Pflanze heißt?”.”Das ist der Fingerhut, er ist giftig, wird aber bei Herzkrankheiten eingesetzt.”, antwortete eine Schülerin.
Auf dem nächsten Bild war das Johanniskraut gemalt, auch Hexenkraut oder Frauenkraut genannt. Es soll böse Geister vertreiben. Frauenkraut wird es auch genannt, weil es eine beruhigende Wirkung auf Frauen(!) haben soll. Männer brauchten wohl keine Beruhigung, meinte man noch im 19. Jahrhundert!

Station 2: Die Kunst-und Wunderkammer

Alle waren fasziniert, als wir die Kunst- und Wunderkammer des Grafen Simon betraten: Überall lagen Fossilien, Straußeneier, ein Haigebiss sowie ausgestopfte Krokodile und andere “tierische” Merkwürdigkeiten, die der Graf Simon von der Lippe von einer Afrikareise mitgebracht hatte.

Station 3: Persönliches Studierzimmer des Grafen Simon von der Lippe

In diesem Raum gab es einen Stammbaum, der aussah wie eine geographische Karte. „Der Graf Simon hatte neun Kinder mit seiner Frau Elizabeth. Der Grund für diese vielen Kinder war die damals hohe Sterblichkeitsrate durch Seuchen, mangelnde Hygiene und fehlende medizinische Versorgung.“  wurde uns erklärt.
Seine Frau, seine Kinder, Schlossfrauen, Adelsdamen usw. lebten mit ihm im Schloss und durften Medizin und Heilkräuter gegen Geld verkaufen. Frauen aus dem einfachen Volk, die dasselbe taten, wurden als Hexen gejagt. Gab es da einen Zusammenhang?

Zwischenstopps

Das Lemgoer Schloss ist ein Weserrenaissanceschloss, das im 16./ 17. Jahrhundert errichtet worden ist. Das erkennt man an den schrägen Fenstern in den Treppenaufgängen. Auf vielen Portraits im Schloss war Graf Simon zu sehen. „Wieso lächelt er denn nie auf den Bildern?”, fragte ein Schüler. „Damals aßen die Leute gerne Süßes, konnten sich jedoch nicht die Zähne putzen”, antwortete die Museumsführerin, „und deshalb hatten sie alle ganz furchtbar schlechte Zähne!” Dann ging es zum Donnerbalken, dem „modernsten“ WC der Zeit. Die Fäkalien fielen direkt neben die Schlossmauern und ließen dort die besten Kräuter wachsen. Auf den Bildern aus der Weserrenaissance waren meist üppige Frauen gemalt. Ihre Korsetts wurden eng geschnürt, so dass sich Brüste und Hüften schön wölbten. Mann und Frau parfümierten sich stark, nahmen sehr selten ein Bad und schminkten sich mit giftigem Puder weiß, damit sie “sauber” rochen und aussahen. Das waren die Mode-ideale der Zeit!
Schließlich bleiben wir vor einem viereckigen Holzkasten stehen, dem Bett des Grafen und seiner Frau. Die Betten damals waren sehr kurz und hatten einen Himmel. Er schützte vor Kälte. „Die Menschen saßen im Bett, weil sie Angst hatten, dass sie im Liegen der Tod holen würde. Manchmal quetschten sich sogar Kinder mit ihren Eltern in dieses Bett.”, erklärte die Museumsführerin, als wir uns fragten, wer in diesen kleinen Kasten gepasst haben könnte.

Natürlich gibt es im Schloss noch viel mehr zu entdecken. Ich empfehle es auch den Leuten, die z.B. an Geschichte nicht interessiert sind, denn es weckt auf jeden Fall Interesse bei denen, die sich für Naturwissenschaften interessieren, weil es in die Anfänge der Wissenschaften führt.

Fatma Basol

martaNRW
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