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Die Vergangenheit

freilegen

... mit Hacke und Schaufel

Borgholzhauser Schüler erforschen als KulturScouts die SS-Vergangenheit der Wewelsburg mit Hacke und Schaufel und kommen dabei der Geschichte von Tätern und Opfern auf die Spur.

Als KulturScouts hatten die Schülerinnen und Schüler der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule die Gelegenheit, den „Tat-Ort Wewelsburg“ genauer zu erforschen. Norbert Ellermann, Historiker, Museumspädagoge und passionierter Ausgräber, leitet das Programm, mit dem Jugendliche für den Gegenwarts-Sinn von Geschichte sensibilisiert werden sollen. „Geschichte muss freigelegt werden“, so Ellermanns Überzeugung, und und gemäß der lotst er die Jugendlichen aus dem Kreis Gütersloh zunächst durch die Ausstellung im ehemaligen Bunker. Sein Ziel ist es, den jungen Menschen von heute deutlich zu machen, dass die Täter von damals „Menschen waren, keine Maschinen“ und dass hinter den Schreckenstaten von 1933-45 „normale Menschen“ steckten. Herr Ellermann nennt es die “zwei Gesichter der SS”. Der Experte für Geschichte deckt Stück für Stück die Vorgehensweise der Nazis auf, z. B. wie das rechte Gedankengut als Ersatzreligion eingesetzt wurde oder auch die Rolle des Nachwuchses, denn: „Menschen waren kriegsrelevantes Material, nur Masse und Arbeitskraft zählte, nicht das Individuum“, erläutert Ellermann. Auch die Rolle von Kindersoldaten schildert der Museumspädagoge und schlägt damit den Bogen zur Gegenwart der 14- und 15-Jährigen. Höhepunkt des Besuchs in der Gedenkstätte ist die ehemalige Gruft, deren besondere Akustik die Jugendlichen stark beeindruckt.

Nach einer Stärkung aber geht das Programm unter freiem Himmel weiter. Ausgestattet mit Schaufeln, Hacken, Eimern, Handschuhen und Proviant wandern die Jugendlichen in den Wald nahe Wewelsburg. Hier befand sich einst der Schießstand der SS, wo sowohl Übungen als auch Exekutionen stattfanden. Norbert Ellermann führt hier Grabungen mit interessierten Gruppen durch und so auch heute mit den Scouts aus Borgholzhausen. Nach anfänglicher Skepsis wegen Schlamm und Nässe wächst rasch die Begeisterung der jungen Forscher. Ein Team bearbeitet mit Spitzhacken und Schaufeln den Boden voller Schutt, und schnell ist eine Eimerkette gebildet, die dafür sorgt, dass die ausgegrabenen Stücke antransportiert werden. Die, so Ellermann nach fachmännischer Beurteilung, sowohl aus den vierziger als auch fünfziger Jahren stammen müssen. Neben Haushaltsporzellan, alten Kabeln und einem Herd ist so auch schon eine Panzerpatrone entdeckt worden. Das Abenteuerfieber erfasst alle und vereint helfen die Schüler mit Feuereifer bei der Grabung mit. Eimer für Eimer mit Aushub wandert in die große Mulde, die der Historiker Ellermann später sichten wird. Und mit etwas Glück ist ein ganz besonderes Stück dabei, das später in der Ausstellung gezeigt wird. Als die Schüler wieder aufbrechen, muss eine Gruppe Jugendlicher zu ihrem Bedauern von einem großen Stein ablassen, den sie aus dem Boden heben wollte. „Es hat total Spaß gemacht. Am liebsten würden wir hier übernachten und morgen weitergraben!”, lautet der Tenor der KulturScouts.

Lilian Wohnhas, 2013

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