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Geisterstunde auf

Burg Sternberg

5. Dezember 2011: Zwei sechste Klassen aus der Martin-Niemöller-Gesamtschule Bielefeld reisen heute im Rahmen des Projekts KulturScouts OWL in den Nachbarkreis Lippe, um dort in Extertal die Burg Sternberg zu besuchen. Ein besonderes musikalisches Programm wartet hier auf die KulturScouts und ihre Parallelklasse.

Zu Beginn werden beide Klassen im Kaminzimmer der Burg von Herrn Jendreck und Herrn Waidosch begrüßt und in die Geschichte der Burg eingeführt. Wenig später geht es für die KulturScouts-Klasse schon mit dem praktischen Teil los: Über den Hof durchqueren die Schüler das erste Schneegestöber des Jahres und gelangen in die Werkstatt im vorderen Teil des Gebäudes. Hier werden sie zunächst mit den Werkstattregeln vertraut gemacht. Dann erklärt Herr Jendreck die Arbeitsschritte für den heute geplanten Instrumentenbaukurs. Eine Bambusflöte soll entstehen. Hierfür muss das vorgefertigte Rohmaterial zunächst mit Schmirgelpapier von innen gesäubert werden. Auch die Außenkanten werden sorgfältig abgeschliffen. Danach werden – mit viel Fingerspitzengefühl – die Bohrungen vorgenommen, damit man mit der Flöte später auch mehr als einen Ton spielen kann. Erste Spielproben in der Werkstatt sind unvermeidlich, schließlich sind die KulturScouts neugierig zu hören, wie ihr selbst gebautes Instrument klingt. Anders als eine Blockflöte wird die Bambusflöte quer gespielt. Gar nicht so einfach, auf Anhieb einen Ton heraus zu bekommen. Aber nach und nach füllt sich der Raum mit einer ganzen Reihe verschieden hoher Töne, die sich zu einem fiependen, energisch anschwellenden Klangteppich verdichten. Rasch ergänzt Herr Jendreck noch eine weitere Werkstattregel: Flöten werden bitte nur draußen ausprobiert.

Nach einer Frühstückspause erwartet die KulturScouts der zweite praktische Teil des Tages. Im Museum machen sie Bekanntschaft mit einer Vielzahl verschiedener, Blas-, Streich-, Schlag- und Tasteninstrumente. Auch seltene und historische Instrumente sind hier zu sehen. Herr Waidosch ist beeindruckt, wie gut die Klasse vorbereitet ist. Im Musikunterricht haben die Schüler bereits viele Instrumente durchgenommen und kennen die dazugehörigen Fachbegriffe. „Das Krummhorn hat vor Euch noch keine Klasse erkannt!“ staunt der Museumsführer. Aber dass man eine Doppelschallmei in Afrika zum Vertreiben von geräuschempfindlichen Krokodilen einsetzt, das wussten auch die KulturScouts vorher noch nicht. Auf dem Cembalo und auf der Mittelalter-Orgel gibt jeder, der möchte ein siebensekündiges Minikonzert mit Applaus von der Klasse und abschließender Verbeugung des Blitzpianisten. Nun wählt jeder Schüler ein Instrument aus dem vorgestellten Spektrum aus, das dann in den Ballsaal – den Konzertraum für die Abschlusspräsentation – mitgenommen wird. Behutsam trägt das Orchester seine Instrumente aus dem Museum, das Cello wird zu zweit durch das Treppenhaus manövriert.

Nach einem gemeinsam bereits geübten Rhythmus – „GEI-ster-stun-de“ – kommen hier nun alle Instrumentengruppen zum Einsatz. Zunächst die Nachtvögel, dann die Burgturmuhr, die mit 12 immer lauter werdenden Gongschlägen die Geisterstunde einläutet. Das Orchester wird im gemeinsamen Rhythmus immer lauter und mündet in einem wilden Finale, das von einem gewaltigen Gongschlag beendet wird. Nur die Nachtigall und die beiden Uhus sind jetzt noch zu hören und lassen das Konzert leise ausklingen. Im Interview zeigen sich die KulturScouts begeistert: „Mir hat der Flöten-Baukurs besonders viel Spaß gemacht.“ erklärt eine Schülerin. „Und auch der Ort,“ ergänzt sie ein Mitschüler. „Ich find’s total klasse, das auf so einer Burg zu machen. Da bleibt viel mehr hängen, weil man überall was Spannendes entdecken kann.“ Eine nächste Schülerin kann sich vorstellen, noch einmal wiederzukommen. „Ich würde das gerne einmal meiner Familie zeigen,“ sagt sie. Auch größere Instrumente werden auf der Burg Sternberg gebaut, für die man mehr Zeit mitbringen muss. Einige Schulklassen nutzen daher die Möglichkeit, gleich mehrere Tage auf der Burg zu bleiben und in der Herberge zu übernachten. Vielleicht wäre das auch für unsere KulturScouts ein spannendes Ziel für die nächste Klassenfahrt – Geisterstunde inclusive.

Antje Nöhren

martaNRW
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