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Geschichte wird

lebendig

Sich einmal wie ein Mönch fühlen – diesem Gefühl konnten die Jugendlichen der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule aus Minden auf Schloss Corvey nachspüren.
Als KulturScouts unternahmen sie ihre letzte Fahrt in diesem Schuljahr; ihre Reise führte sie nach Corvey und damit zugleich tief in die Vergangenheit. Corvey war einst eine mittelalterliche Klosteranlage, bevor es in seiner heutigen Funktion als Schloss genutzt wurde. Noch zeugen architektonische Dokumente von dieser Zeit, als die Mönche das Leben in Corvey bestimmten.

Deren Leben wiederum wurde bestimmt vom Sinnspruch “Ora et labora”, was so viel heißt wie “Bete und arbeite”. Die Benediktinerabtei beherbergte auch eine Schreibstube, wo in mühevoller (Hand-)Arbeit Schriften kopiert wurden. Für heutige Jugendliche ist dieses Lebensgefühl kaum mehr nachvollziehbar. Doch Annette Beckert, Museumspädagogin in Corvey, führt die jungen Menschen behutsam an die Aufgabe des heutigen Tages heran. Zunächst einmal galt es, entsprechende Wissenslücken zu füllen. Etwa die Frage, worauf die Mönche geschrieben haben (natürlich auf Pergament) und woraus es bestehe (aus Tierhäuten wie z. B. Kalb oder Ziege). Auch die Tinte verfügte früher über eine besondere Beschaffenheit und die Schreibfeder wurde aus einem hölzernen Rohr geschnitzt. Wer Fehler machte, rieb diese vorsichtig mit einem Messer oder Bimsstein weg (Tintenkiller gab es noch keine).

Doch bei aller Arbeit: man sah den Jugendlichen den Spaß an. Einmal eine Kutte tragen, sodass alle gleich aussehen – dies gab Anlass zu allerlei Heiterkeit! Und auch als am Ende noch – als Schmankerl sozusagen – die fürstlichen Salons und die Bibliothek von Hoffmann von Fallersleben besichtigt werden durften, war endgültig das Eis gebrochen. Eine Schülerin: “Am liebsten würde ich mich hier über Nacht einsperren lassen.” Wir wollen es nicht hoffen!

Lilian Wohnhas, 2013

martaNRW
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