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Herzschlagtanz

KulturScouts im Schlagzeughaus

“Macht das bitte nicht zu Hause nach”, warnt André, Student der Hochschule für Musik in Detmold, die neugierigen Schüler der 6 b der Hauptschule Verl, die am 23.11.2012 das “Schlagzeughaus” besuchten. Als KulturScouts erleben die Schüler einen Vormittag lang, wie die Studenten am Institut arbeiten, welche Instrumente sie beherrschen, wie diese klingen und zuletzt natürlich auch, wie es sich anfühlt, selbst in die Rolle des Musikers zu schlüpfen.

André steckt mittlerweile kleine Schrauben und Muttern zwischen die Saiten des großen schwarzen Flügels, der im Saal im ersten Stock steht, und produziert dabei Klänge, die sonst nicht vom einem solchen Instrument zu erwarten sind. Er aber will heute zeigen, wie der manipulierte Flügel dazu genutzt werden kann, den Klang von Schlaginstrumenten nachzuahmen. Dass diese Idee schon einige Jahrzehnte alt ist, erfahren die 28 Schüler aus dem Kreis Gütersloh ebenfalls und auch, dass der Erfinder dieser neuen Art von Musik ein berühmter amerikanischer Komponist namens John Cage war. Sehr aufmerksam verfolgen sie die Handgriffe des angehenden Profimusikers, der sich kurz darauf ans Instrument setzt und die ersten Töne des Stücks anschlägt.

Ungewohnt klingt das für die Teenager, die sonst eher auf Songs von Rihanna & Co. stehen, die aber auch eine Bandklasse sind. “In unserer Band spielen wir gerade ‘Diamonds’. Ich singe und spiele Gitarre. Aber das heute sind ganz andere Instrumente, es klingt ganz anders”, so die 12-jährige Lisa. Aber dieses kleine Konzert beeindruckt sie allesamt doch sehr. Staunenswert und außergewöhnlich, lautet ihr Fazit im Nachhinein. Außergewöhnlich wird es dann auch, als sich die Kommilitonen von André an die anderen Schlaginstrumente im Raum begeben und dort musikalische Darbietungen geben. Eine afrikanische Marimba ist darunter, die von einem Studenten aus Japan mit je einem Doppelklöppel in beiden Händen gespielt wird. Danach zeigt ein spanischer Student mit dem “Lied vom Vogel”, welche Töne einem Vibraphon zu entlocken sind, wenn man sich so unterschiedlicher Hilfsmittel wie etwa einem Geigenbogen bedient.

Nach dem kleinen überaus hörenswerten Konzert begeben sich die KulturScouts in den schallgedämmten Workshopraum. Hier stehen bauchige Congas neben den kistenförmige Cajons und warten darauf, dass die Schüler vor oder auf ihnen Platz nehmen. Tobias Haußmann, angehender Instrumentalpädagoge, erwartet sie schon. Er weiß genau die Sympathie der Schüler zu gewinnen und sie zu motivieren. “Wie war euer Eindruck vom Konzert?”, fragt er zum Einstieg. “Cool”, lautet die Meinung der Schüler im Chor. Nach einer Einführungsrunde, in der beispielsweise der Bass-Schlag mit der flachen Hand eingeübt wird, entwickelt die Gruppe selbst kleine Rhythmusabfolgen an den beiden Instrumenten; jeder Groove erhält einen fantasievollen und zugleich leicht zu merkenden Namen wie “Herzschlagtanz”, “Schleichen” oder “Kurz-Lang”, denn “wir wollen uns überlisten, sodass wir nicht an den Rhythmus denken müssen, sondern durch den Begriff schon gleich wissen, was gemeint ist” sagt Tobias Haußmann. Nachdem die Grooves einige Male geprobt wurden und schließlich sitzen, werden sie von den Schülern zu einer eigenen kleinen Komposition zusammengefügt.  Zum Abschluss sitzen die KulturScouts an ihren Instrumenten und trommeln ihren eigenen Song, bis der ganze Raum vom Rhythmus und Klang erfüllt ist.

Lilian Wohnhas

martaNRW
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