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Ich höre was,

was Du nicht

siehst!

24. Januar 2012: Zum ersten Mal ist die 6f der Gesamtschule Friedenstal heute als KulturScouts-Klasse unterwegs. Ziel ihres ersten Ausflugs ist das Marta Herford, das die Schüler schon kennen. „Hier waren wir schon oft mit der Schule!“ Aber heute erwartet sie hier eine ganz besondere Veranstaltung: Studenten der Hochschule für Musik Detmold haben ein Programm für die KulturScouts entwickelt, das die Ausstellung auf musikalischem Wege erschließt: „Ich höre was, was Du nicht siehst!“ Wie das wohl ist, nichts mehr zu sehen? In einer Partnerübung machen die KulturScouts diese Erfahrung zu Beginn gleich hautnah: Mit verbundenen Augen folgt ein Schüler dem anderen nach Lauten von der Museumslobby ins Forum. Gar nicht so einfach, sich nur über die Ohren im Raum zu orientieren, stellen die Schüler fest. Es folgen nun einige Aufwärmübungen, die das Vertrauen und das Aufeinander-Acht-Geben in der Gruppe stärken. Für diese Übungen, die gelegentlich auch einen Balanceakt darstellen, stehen Requisiten wie Holz- und Bambusstäbe, ein Holzreifen oder auch Malervlies zur Verfügung.

In zwei Gruppen geht es nahtlos weiter: Die erste Gruppe geht in die aktuelle Ausstellung, wo Arbeiten von Kristina Berning und Benjamin Greber zu sehen sind, derweil die zweite Gruppe im Forum Body Percussion in Vierergruppen übt. Eine gute Konzentrationsübung, sich durch die anderen Gruppen nicht aus dem Rhythmus bringen zu lassen. Die erste Gruppe kehrt nach ihrem Ausstellungsbesuch ins Forum zurück. Jeder Schüler aus der ersten Gruppe hat nun die Aufgabe, einem Mitschüler eine ausgewählte Arbeit aus der Ausstellung so anschaulich zu beschreiben, dass dieser nach der Beschreibung eine Zeichnung anfertigen kann. Mit den Zeichnungen gehen dann alle zusammen in die Ausstellung, um zu sehen, ob die Schüler aus der zweiten Gruppe ihr gezeichnetes Kunstwerk finden. Als KulturScout ist man namentlich ein guter Spurensucher. Die Schüler orientieren sich an Größe, Farbe oder auch Material, um das gesuchte Objekt zu identifizieren. Dann werden die Werke betitelt: „Wow, heute in Pink!“, „Das stehende Oval“ oder „Kupferspeer“ sind die neuen Labels der Ausstellung. Nun stellt sich die Künstlerin höchstpersönlich vor und erklärt den Schülern ihr Werk. Vielen interessierten und neugierigen Schülerfragen muss sie sich stellen: „Haben Sie sich den Ausstellungstitel ‚no more illusions’ ausgedacht?“ „Warum benutzen Sie ausgerechnet dieses Material?“ – „Was soll das bedeuten?“ Zwei besonders aufmerksame KulturScouts haben einen Verdacht: „Die hat doch vorhin ihr Namensschild geändert!?“ Aber die Studentin spielt ihre Rolle so überzeugend und beantwortet die vielen Fragen so glaubwürdig, dass bald keiner mehr Zweifel hat: Sie ist die Künstlerin. Den Ausstellungstitel erklärend, gibt sie allerdings einen kleinen Hinweis: „Eine Illusion ist, wenn sich jemand einer falschen Vorstellung hingibt.“ Die Schüler werden aufgefordert, sich die Materialien, mit denen Frau Berning arbeitet noch einmal genau anzusehen. Fühlen sie sich vielleicht an etwas erinnert? Einigen KulturScouts fällt es sofort auf: die Bambus- und Holzstöcke, das Kreppband und das Malervlies – alles Materialien, die schon vorher im Workshop zum Einsatz kamen!

Nach einer kurzen Pause geht der bunte künstlerisch-musikalische Vormittag im Forum weiter. Neben weiteren rhythmischen Übungen haben die Schüler nun unter anderem die Möglichkeit, zu Zweit ihren eigenen Crash-Raptext zu schreiben. Einzige Vorgabe: Die Namen der beiden Rapper sowie eine ihrer Stärken müssen im Text vorkommen. Anschließend geben die Künstler ihre geschriebenen Texte mit einem Mikrophon zum Besten, den Beat dazu klopft und schnippt die ganze Klasse.

Der Vormittag schließt mit einem „Wer-wird-Millionär“-Spiel mit Fragen, die anregen, sich über die Veranstaltung Gedanken zu machen: Warum arbeitet die Künstlerin Frau Berning gerade mit diesen Materialien? Was hat die Ausstellung mit unserem eigenen Leben zu tun? Warum solltet Ihr beim Rappen ein Talent von Euch erwähnen? Die Schüler können sich um wahlweise einen von vier verschiedenen Stühlen positionieren, um auf die verschiedenen mit A, B oder C zu antworten. Die Mehrzahl trifft dabei natürlich die richtige(n) Antwort(en). Auch wenn sich bei der abschließenden Bewertung zeigt, dass den Teilnehmern ganz unterschiedliche Elemente des Vormittags gefallen haben, ziehen Schüler, Studenten und Lehrer insgesamt eine positive Bilanz. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit am außerschulischen Bildungsort wird von allen Beteiligten als Bereicherung gesehen, die unbedingt wiederholens- und nachahmenswert ist.

Antje Nöhren

martaNRW
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