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KulturScouts

planen Höxter neu

Als die KulturScouts aus dem König-Wilhelm-Gymnasium Höxter im Marta Herford ankommen, haben sie bereits einen Rundgang durch den historischen Stadtkern hinter sich, vorbei am gotischen Münster und dem neobarocken Rathaus. Im Marta-Viertel haben es die Schüler der 7b dann mit einer Architektur der ganz anderen Art zu tun. „Sieht irgendwie instabil aus,“ bemerkt eine Schülerin beim Blick auf die kurvenreichen Formen. „Das erinnert mich an die Oper in Sydney,“ fällt einem Mitschüler ein. In einer Führung durch das Museum erkunden die KulturScouts das Gebäude von innen und außen und erfahren genauer, was es mit diesem sonderbaren Bau auf sich hat. Von der Terrasse hinter dem Museum aus hat man freien Blick auf einen kleinen Fluss, die Aa. Seine Wellenformen haben den Architekten Frank Gehry vor zehn Jahren zu diesem Museumsbau inspiriert. Anhand von hingekritzelten ersten Ideenskizzen des Architekten kann man einen Eindruck seines unkonventionellen Arbeitens gewinnen.

Auch die KulturScouts sind jetzt aufgefordert – wie Architekten –, genau zu betrachten und Formenstudien zu machen. Mit Klemmbrettern fangen sie charakteristische Linien des Museums ein, die später im Atelier als Grundlage für eigene architektonische Entwürfe dienen werden. Vorher geht es für die VIPs aus Höxter aber noch einmal in Bereiche des Museums, die Besuchern für gewöhnlich verschlossen bleiben. Hinter den Kulissen kann man einen guten Eindruck der Museumstechnik gewinnen. Durch den Heizungsraum mäandern zahllose Rohre und Kabel, es brummt und schnaubt – und: „Hier sind ja überall rechte Winkel!“ Hier scheint sich die Gruppe plötzlich durch eine völlig gegensätzliche Architekturwelt zu bewegen. „Das liegt daran, dass wir uns hier in einem Bestandsbau befinden,“ erklärt die Museumspädagogin Angela Kahre. „Bis zum Neubau befand sich darin noch eine Textilfirma. Der Bau ist geblieben und wurde von Frank Gehry nur sehr geschickt ummantelt.“ Von den tanzenden Linien ist hier nicht mehr viel zu entdecken. Doch, Moment: Durch eine winzige Sicherheitstür hindurch kann man in den Gehry-Bau hinüberschauen. „Wie bei Alice im Wunderland!“ Dahinter befindet sich das Innere der aufwendigen, riesigen Dachkonstruktion. „Hier schaut ihr von oben auf die Decke unserer größten Galerie, dem so genannten Dom!“ Diese Galerie besuchen die KulturScouts im Anschluss beim Blick in die aktuelle Ausstellung, die ebenfalls mit Architektur zu tun hat. Erfindungen des vielseitigen Theoretikers, Philosophen, Architekten und Designers Buckminster Fuller sind hier zu sehen. „Seine utopischen Architekturideen in Form geodätischer Kuppeln sind so groß, dass sie ganz Manhatten umspannen könnten.“

Mit vielen bunten, schiefen und wellenförmigen neuen Eindrücken begeben sich die KulturScouts nun in das Marta Atelier. Hier arbeiten sie in Architekturbüros zusammen und entwickeln phantastische Veranstaltungshallen für die Höxteraner Innenstadt. Eine Herausforderung ist es zunächst, in den einzelnen Gruppen die vielen unterschiedlichen Ideen zu einem gemeinsamen Entwurf zusammenzufügen. Aber nach und nach nehmen die verschiedenen Gebäude Form an: Da gibt es zum Beispiel ein Schwimmbad in Form einer überdimensionalen Kuh, die über einer befahrenen Kreuzung steht. Ein riesiges Fenster macht es möglich, beim Schwimmen über und unter Wasser hinein und hinaus zu schauen. Eine Kunstschule mit wellenförmiger, silbrig reflektierender Außenfassade und asymmetrischem Dach soll in Zukunft alle anderen Schulen in Höxter ersetzen. Ein weiteres Haus mit dynamischen, bunten Wellenformen soll in Zukunft dort stehen, wo sich jetzt noch die LBS befindet. Die Lehrerin stellt fest: Für die Stadt Höxter hat diese Klasse viele interessante Umstrukturierungsmaßnahmen im Angebot. „Sonst ist in Höxter ja viel Fachwerk, was auch schön ist. Aber so ein paar ganz moderne Ideen würden dazu bestimmt auch gut passen.“

Im Laufe des dreistündigen Vormittags im Marta haben die KulturScouts aus dem König-Wilhelm-Gymnasium Höxter viele neue Eindrücke gewonnen, die im Kunstunterricht mit der Lehrerin Frau Brilon noch nachgearbeitet werden. Nun haben die Schüler noch eine Stunde Zeit, die Stadt Herford eigeninitiativ zu erkunden, bevor die Klasse wieder gen Höxter aufbricht.

Antje Nöhren, 2011

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