cycles_top_center shoes

KulturScouts

Untertage

Donnerstag, 19. Mai 2011: Heute besuchen die KulturScouts aus der Mastbruchschule Paderborn das Besucherbergwerk und Museum Kleinenbremen. Nachdem die Schüler der 6a von Frau Riedmayer im Museum in Empfang genommen wurden, geht es gleich mit einem Ausstellungsrundgang los. Ammoniten stehen heute auf dem Plan. Der erste Ausstellungsraum sieht aus wie ein großes begehbares Aquarium. Direkt in der Mitte steht ein riesiger Ammonit, einer der größten überhaupt. „Was waren das eigentlich für Tiere?“ fragt Frau Riedmayer in die Runde. Die KulturScouts sind nicht ganz sicher: „Dinosaurier?“ – „Die sehen aus wie überdimensionale Schnecken!“ Die Museumspädagogin verrät die Lösung: „Ein Ammonit war eine Art Tintenfisch.“ Anhand eines kleinen Modells kann man sich ungefähr vorstellen, wie diese Tiere ausgesehen haben. Im Laufe der sehr lebendig gestalteten Ausstellungsführung erfahren die Schüler außerdem, dass dieses Tier, das etwa zeitgleich mit den Dinosauriern ausgestorben war, einen hochkomplexen, ausgeklügelten Mechanismus hatte, mit dem es sich unter Wasser fortbewegen konnte. Aufmerksam und neugierig folgt die Klasse den Ausführungen Frau Riedmayers, die es versteht, die Objekte in den Vitrinen des Museums zum Sprechen zu bringen. Noch vieles mehr gibt es in der Ausstellung zu entdecken. Einen echten Fußabdruck eines Dinosauriers aus direkter Nachbarschaft zum Beispiel, Backenzähne von einem Mammut und gigantische Steine, die von Eismassen fortbewegt wurden, die fünf Mal so hoch gewesen sein sollen wie der Paderborner Dom!

Mit vielen neuen Informationen gehen die KulturScouts dann im Atelier ans Werk. In der Ausstellung haben sie gelernt, dass viele geologische Funde nicht im Original gezeigt werden können, weil sie zu empfindlich sind. Besondere Ausstellungsstücke werden auch reproduziert, um an vielen Orten gleichzeitig gezeigt werden zu können. Ein solches Reproduktionsverfahren, den Gipsabdruck, führen die KulturScouts nun eigenhändig durch. Während die Formen trocknen, machen sich die Schüler nun auf den Weg zum wahrscheinlich spannendsten Teil des ganzen Tages.

Ausgerüstet mit Helmen und warmen Jacken geht es mit dem historischen Triebwagen in die Tiefen der Grube Wohlverwahrt. Hier werden die KulturScouts mit einem herzlichen „Glück auf!“ begrüßt und lernen gleich, dass es eine spezielle Bergbausprache gibt. Sie sind beeindruckt von der unerwarteten Größe dieses unterirdischen Stollen-Labyrinths und vom Werk der mühevollen Handarbeit, die hier Tag für Tag von den Bergleuten geleistet wurde, um die Schächte und Stollen freizulegen.

Der erfahrene Bergwerksführer Willi Hartmann demonstriert den KulturScouts einige Werkzeuge und deren Wandel und steigende Effektivität im Laufe der Zeit. Noch nie gehört: Schrapperhaspel? Eine besonders schwere Arbeit leisteten die Hauer, die für Bohrungen und Sprengungen verantwortlich waren. „Früher brauchte man noch acht Stunden, um mit einem gewöhnlichen Bohrer zwei Meter tief ins Gestein zu kommen.“ Das entsprach gerade mal vier Bohrlöchern zur Aufnahme von Sprengstoff. Mit den neueren druckluftbetriebenen Bohrhämmern schaffte man das bereits  in einem Bruchteil der Zeit. Später wurden immer mehr hocheffiziente Großbaugeräte wie zum Beispiel Stegkettenförderer eingesetzt, die die Knochenarbeit am Berg wesentlich erleichterten. Trotzdem keine beneidenswerte Arbeit, finden die KulturScouts. „Kalt, dunkel und laut muss das gewesen sein – und echt anstrengend!“ – „Voller Krafteinsatz – und das jeden Tag!“ – „Dann schon lieber in die Schule gehen.“ Ganz unten eröffnet sich dann noch ein überraschender Ausblick: Plötzlich stehen die KulturScouts vor einem leuchtend blauen, unterirdischen See. Vergeblich versuchen viele, diesen atemberaubenden Eindruck mit ihrer Handykamera festzuhalten. „Das muss man einfach mit eigenen Augen sehen!“ Dann wird es wieder Zeit für den Aufstieg. Die kalte Luft schiebt die Gruppe aus dem Bergwerk hinaus ans wärmende Sonnenlicht. Nur einige wenige Hartgesottene haben die Führung untertage im T-Shirt überstanden. Ausgestattet mit ihren Gipsammoniten, dem Werk ihres heutigen Workshops, und vielen neuen, besonderen Eindrücken und Perspektiven machen sich die KulturScouts auf die Rückreise nach Paderborn.

Antje Nöhren

martaNRW
cycles_left_bottom cycles_left_bottom