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Von Sand, Soda &

Kalk zu funkelnden

Kristallgläsern

Die KulturScouts erleben die Glashütte Gernheim

22. Dezember 2011 Aus Holz,- Metall,- oder Tonbechern unsere Cola trinken? Hört sich schon ein bisschen sonderbar an. „Doch bevor Glas erfunden wurde, war das so üblich“ erzählt Pädagogin Frau Koch, die der 9. Klasse der Hauptschule Maasbruch und Lehrerin Frau Monczynski heute einen Einblick in die Gernheimer Glashütte gewährt.

An der Weser, in der Nähe von Minden wurden Ende des 17. Jahrhunderts mit viel Fleiß, Zeitaufwand und Geschick aufwendig Gläser hergestellt. Der Luxusartikel dieser Zeit bestanden aus Quarzsand, Kalk und Soda und wurdne nach der Vermischung um die 20 Stunden bei 1500 Grad erhitzt. Die zähflüssige, honigähnliche Masse konnte dann durch ständige Drehbewegungen und Blasen mit der eigenen Luft auf einem Stock in die künstlerischsten Formen gebracht werden.
Die Kulturscouts haben Glück und können vor Ort dabei zusehen, wie ein Glas gefertigt wird – mühsam mit den eigenen Händen – ohne die Hilfe von Maschinen. „Eine Ausbildung für dieses Handwerk dauert 5-7 Jahre. Damals war der Beruf des Glasbläsers hoch angesehen und die Menschen haben für diese Arbeit einen verhältnismäßig hohen Lohn erhalten“ berichtet Frau Koch. Sie zeigt uns die Wohnungen der Arbeiter. Diese waren ganz der Nähe der Glashütten, da die Arbeiter auf Abruf bereit sein mussten. „Oh, ich hätte mich fast am Türrahmen gestoßen“ wundert sich ein Schüler. Frau Koch erklärt, dass die Hausbewohner damals noch nicht so groß waren wie wir heute. Generell haben die Menschen damals nicht annähernd so luxuriös gelebt wie wir heute. Ein Bett gab es nur für die Eltern. Die Kinder schliefen in der Stube auf dem Boden. Doch konnten sich die Glasbläser mehr leisten als die normale Bevölkerung: Ein Sofa, gute Kleidung für den wöchentlichen Kirchengang und Schweine, Hühner und andere Tiere für den Verzehr.

„Und wie kommen die bunten Farben zu Stande?“, fragt eine Mitschülerin interessiert. Frau Koch erklärt, dass farbiges Glas durch chemische Prozesse entsteht. Mangan färbt das Glas beispielsweise lila, Kobald macht es blau, Rubin lässt es rot erleuchten.
Wunderschön geschliffene Vasen, Weingläser und Schalen funkeln in einem Ausstellungsraum um die Wette. „Mit Hilfslinien haben die Arbeiter, die die Gläser geschliffen haben, ein Raster vorgezeichnet. Das so genannte Vorreißen dieses Musters geschah mit groben Schleifscheiben, danach wurde mit Rundscheiben die Feinarbeit geleistet. Um die Kunstwerke zum Glänzen zu bringen, wurden sie anschließend mit Pappelholz aufpoliert“ erläutert Frau Koch.
Das Ende der Arbeit in der Glashütte Gernheim geht auf das Jahr 1877 zurück. Die Schiffe und der damit verbundene Trabsport über die Weser waren nicht mehr modern und schnell genug. Gernheim mangelte es an einer Eisenbahnverbindung. Doch das schöne Museum ist bis heute erhalten geblieben und ist alle Mal einen Besuch wert.

Saskia Ganschow

martaNRW
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