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Zurück ins Jahr

1920

... zurück ins Leben der Wanderziegler

Am 17.Juli 2013 brachen wir, die 5er Klassen von der Erich-Kästner-Gesamtschule Kirchlengern auf zu einer spannenden Reise. Sie begann im Ziegeleimuseum in Lage/Hörste und ehe wir uns versahen, waren wir auch schon rasant in der Zeit zurückgereist, nämlich ins Jahr 1920:
Unser Zug aus Dortmund hielt in Lage und mitsamt unserem Gepäck machten wir Wanderziegler uns auf zur Ziegelei Lage. Robin, unser Ziegelmeister führte uns an. Auf unserem Pappausweis zum Umhängen stand unser Name, unser Alter und welchen Beruf wir ausübten. Der Jüngste war grade mal 14 Jahre alt, unser Ältester konnte auf stolze 68 Jahre zurückblicken.
Ein Zuckerschlecken war das Leben als Wanderziegler nicht, wir mussten ganz schön hart zupacken. Neben der Arbeit in der Ziegelei, mussten wir uns auch um das alltägliche Leben kümmern. Und was da so alles anfiel, konnten wir Schüler/innen von heute in verschiedenen Themengruppen selbst erfahren.
Gut, dass wir Ziegler uns neben der Arbeit nicht auch noch was kochen mussten. Für eine kräftigende Mahlzeit sorgte unsere Köchin Franziska Große-Wortmann, nein „Elisabeth Stücking“. Sie stellte unseren Essenplan für die kommende Woche zusammen. Christina, die auch zur Kochgruppe gehörte, feuerte schon mal die Kochmaschine an. Ja, sie schaffte es! Und als das Feuer endlich brannte, gelang es der Gruppe, uns allen einen schönen Tee zu kochen. Zu essen gab es früher Linsen, Erbsen, Bohnen, Kartoffeln und sonntags auch mal Fleisch. Die Ziegler brachten ihre Lebensmittel selbst mit. Im Gepäck befand sich zum Beispiel ein schöner geräucherter Schinken, der auch ohne Kühlschrank lange hielt.
Niklas Neiss, alias „Willi“ geboren 1898, und seine Truppe, genannt die Schnarchsäcke, sorgten für „weiche“ Schlafunterlagen. Sie stopften Stroh in Jutesäcke und machten die Betten. In einem metallenen, schmalen Stockbett mussten vier Ziegler schlafen. Uns machte das Spaß, so sehr, dass Nick Rullkötter gar nicht mehr aus dem Bett raus wollte.

Niklas Finn, alias „August“, schreibt aus seinem früheren Leben: „Meine Gestalt ist kräftig und ich wasche meine Sachen selbst. Das ist nicht leicht, aber auch nicht schwer. Ich erkläre euch jetzt, wie man seine Wäsche wäscht. Zuerst muss man seine Sachen, zum Beispiel die Zieglerjacke, in einer Zinkwanne, die mit heißem Wasser gefüllt ist, eintauchen. Dann legt man sie auf ein Waschbrett und reibt sie mit Kernseife ein. Jetzt muss ich sie kräftig mit den Händen über das Waschbrett schrubben. Nun wird die Jacke wieder ins Wasser getunkt. Danach wiederholt man das Schrubben und das Ausspülen, bis die Zieglerjacke sauber ist. Zum Schluss muss ich die Seife ganz ausspülen und die Jacke zum Trocknen aufhängen.
Die Waschgruppe hatte sichtlich Spaß, ordentlich mit Wasser zu panschen und sich in der Handwäsche zu üben.
Hallo, ich heiße „Eugen Müller“ (Lena Sabezki),. ich bin 24 Jahre alt und habe dunkelbraunes Haar. Heute erzähle ich euch, wie wir uns rasiert haben. Man braucht warmes Wasser in einer Schüssel. Mit dem nassen Rasierpinsel wird die Rasierseife schaumig gerührt und die Bartstoppel werden damit eingeschäumt. Dann, ganz vorsichtig, kratzt man mit dem gut geschärften Rasiermesser die Stoppeln ab.

Danach und das machte uns allen in der Jetztzeit am meisten Spaß, (es war schließlich ein wunderbar heißer Sommertag) wurde das Gesicht in die Waschschüssel getaucht.
Der krönende Abschluss bestand aus dem Stylen der Haare mit Haarbrillantine. Wie da die Haare glänzten und dufteten. Unsere „Barbiergruppe“ konnte den Andrang an Kunden kaum bewältigen. Jeder wollte sich mal rasieren und stylen lassen.
Nach einer harten Arbeitswoche freuten sich die Ziegler schon auf ihr „Sonntagsvergnügen“. Das war auch der Name der Gruppe, zu der Nihal und Sarah als Männer, außerdem Celine und Laura als Frauen gehörten. Die Männer „Adolf Hundlager“ (30) und „August Meckmann“(20) trugen schwarze Sonntagsanzüge mit Weste und Hosenträgern und natürlich zierten ihre Köpfe schwarze gepflegte Herrenhüte. Nach einer sorgfältigen Rasur machte man sich auf den Weg zur nahgelegenen Kneipe. Wenn das Wetter schön war, ging man auch zum Schwimmen. Es machte aber ebenso Spaß Musik vom Plattenspieler zu hören oder vielleicht sogar eine Tanzveranstaltung zu besuchen. Die Jüngeren gaben ihr hart erarbeitetes Geld Vergnügen aus, die Älteren legten sich was zur Seite, sie hatten schließlich eine Familie zu versorgen.
Ja, so oder so ähnlich war das damals im Alltag eines Wanderzieglers.
Unsere Reise ins Zieglerleben ging beim Teeschlürfen langsam zu Ende und schon kamen wir wieder im Jahre 2013 an. Viel gelernt haben wir, Spaß gemacht hat es und das Beste war, dass wir alles selbst machen durften.

Schülerbericht der Erich-Kästner-Gesamtschule Kirchlengern (5. Klasse)

martaNRW
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